Stolperstein: Opfer aus Buxtehude
Stadt prüft Angaben
Buxtehude.
Wahrscheinlich wenigstens zwei Opfer, die von den Nazis verschleppt und getötet worden sind, hat es offenbar doch in Buxtehude gegeben. Michael Quelle erinnert an Günter Heinrich. Der nicht einmal elf Jahre alt gewordene Junge war im Rahmen der Kindereuthanasie getötet worden. Er könnte mit einem Stolperstein des Kölner Künstlers Gunter Demnig bedacht werden. Und auch in Ketzendorf war ein Landwirt im KZ Sachsenhausen verstorben.
Quelle ist seit Jahren aktiv bei der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) und schrieb seine Staatsexamensarbeit über die kirchlichen Rotenburger Anstalten. Aus dieser Einrichtung waren 1941 130 schwerstbehinderte Kinder, im Nazi-Deutsch "Reichsausschusskinder" genannt, in die "Kinderfachabteilung" Lüneburg verlegt worden. Dort wurden die meisten von ihnen im Rahmen der "Vernichtung lebensunwerten Lebens" mit Medikamenten getötet. Nach Michael Quelle gehörte auch Günter Heinrich dazu. Der am 7. April 1932 geborene Junge lebte nur bis zum 15. 3. 1943. Keine Angaben kann Quelle aber zu seinem letzten Wohnort in Buxtehude machen, der müsste der Stadt aber bekannt sein, denn im Melderegister seien die Opfer bis zu ihrem Tode als Einwohner ihrer Gemeinde geführt worden.
Hans-Heinrich Hadler, Ortsvorsteher in Ketzendorf, berichtet von Heinrich Peters aus Ketzendorf. Der Landwirt, nach dem die Hofstelle im Ort benannt ist, sei im KZ Sachsenhausen umgekommen. Ein weiterer Insasse hätte erzählt, er sei dort erschlagen worden, die Nazis berichteten der Familie, er sei an Lungenentzündung gestorben. Peters war, so erinnert sich Hadler, ins KZ gebracht worden, weil er aus seiner Nazi-Gegnerschaft keinen Hehl gemacht hatte. So soll er öffentlich gesagt haben, er hoffe, dass der Spuk bald vorbei sei. Zudem habe er sinngemäß gesagt: "Jetzt lauft ihr alle in den braunen Hosen herum, und nachher liegen die Hosen am Straßenrand und keiner will sie getragen haben."
Bürgermeister Jürgen Badur hatte angekündigt, die in die Gehwege eingebauten kleinen Gedenktafeln zu unterstützen. Jetzt müssten die Angaben über die Buxtehuder Opfer überprüft werden.
Die aus Messing bestehenden Platten sollen an der Stelle ihres letzten Wohnortes an die Opfer der Nationalsozialisten erinnern. (rsu)
07.08.2009
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