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| Nimmt Kurs auf Stade: Gunter Demnig mit seinen Stolpersteinen, die an Opfer des Nationalsozialismus erinnern. |
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Stolpersteine - auch in Rom und Kopenhagen
Stader Politik diskutiert heute das Gedenken an die Nazi-Opfer
Stade.
Einigkeit gibt es zum Thema Stolpersteine nicht. Die Jüdische Gemeinde Düsseldorf ehrt den Künstler, der Zentralrat der Juden kritisiert ihn (siehe neben- und untenstehende Berichte).
Als das TAGEBLATT Künstler Demnig am Telefon erreicht, ist der gerade auf Tour durch Bayern und Thüringen - 350 Stolpersteine bringt er in dieser Woche in die Erde. Das Argument, die Stolpersteine würden mit Füßen getreten, so wie damals die Opfer, und deshalb seien sie nicht gedenk-würdig, lässt Demnig nicht gelten. "Moment mal, das war damals ein geplantes Vernichtungsprogramm, das Millionen den Tod brachte", sagt der Kölner Künstler.
Mit Farbe wurden sie übermalt, mit Silicon übergossen, sogar herausgerissen. Das weiß auch Gunter Demnig. Er hat aber festgestellt, dass sich die Paten der Stolpersteine in den Kommunen um derlei Verhunzung kümmerten. In Halle (Saale) seien acht Steine herausgerissen worden, erzählt der Künstler. Daraufhin veranstalteten die Stein-Paten ein Benefizkonzert - der Erlös reichte für 36 neue Steine. Demnig: "Für die Täter ging das voll nach hinten los." Außerdem könne sich die Bilanz sehen lassen. Von 20 000 Steinen seien gerade mal 370 würdelos behandelt worden.
Rom und Kopenhagen bekommen im Frühjahr ihre ersten Steine. In der Ukraine, in Österreich, Frankreich und Holland war Demnig bereits. Der Künstler brachte mit den Stolpersteinen auch dort manch einen ins Trudeln. Weder in Holland noch in Frankreich sei er allerorts mit offenen Armen empfangen worden. "Klar, ohne die Helfer in den besetzten Gebieten hätten die Deutschen ihre Opfer nicht so schnell aufspüren können", zeigt Demnig mit seiner Aktion auch auf Mittäter und Helfershelfer.
In der Stader Politik sind die Stimmen gegen die Stolpersteine seltener geworden. Eine große Mehrheit für die Gedenkaktion zeichnet sich ab. Wahrscheinlich erlaubt die Politik Künstler Demnig, die Gedenksteine in den öffentlichen Grund einzubringen. In der Drucksache 585 heißt es: "Der Rat begrüßt die Initiative...".
Mit dem Schwenk in der Politik - 2004 winkten Politiker noch ab - und dem Interesse der Paten dürfte Demnigs Idee auch in Stade Wirklichkeit werden. Demnig: "Ich bringe die Namen der Opfer an ihren Heimatort zurück."
Zentralrat der Juden lehnt Stolpersteine ab
Stade (wst). Das TAGEBLATT bat Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, um eine Stellungnahme zu den „Stolpersteinen“. Hier der Wortlaut ihrer Antwort:
„Bei den Stolpersteinen handelt es sich aus der Natur der Sache heraus um keine angemessene und würdige Form des Gedenkens. Passanten gehen achtlos an Stolpersteinen vorbei oder – schlimmer noch – laufen darüber und treten darauf. Hunde verrichten an den Stolpersteinen ihre Notdurft. Damit wird das Andenken von Menschen, die Verfolgung und Entwürdigung erleben mussten, bevor sie auf schreckliche Weise ermordet wurden, nochmals entwürdigt und sprichwörtlich mit Füßen getreten.“
Nach Ansicht der Präsidentin sind im Gegenzug dazu insbesondere positive und auch produktive Formen des Gedenkens gefordert. Jugendbegegnungen oder Jugendprojekte beispielsweise stellen eine Form des Gedenkens dar, bei der gerade junge Menschen aktiv eingebunden werden. Dies bedeutet Gedenken aus einer Anerkenntnis der historischen Verantwortung heraus und erfordert ein Verinnerlichen der Lehren aus der Geschichte. Solche Formen des aktiven Gedenkens fördern die Stärkung demokratischer Wertanschauungen. Sie weisen in die Zukunft und haben gesellschaftliche Implikationen.
Im Blickpunkt: Künstler geehrt
Die Jüdischen Gemeinde Düsseldorf zeichnet den Kölner Künstler Gunter Demnig mit der Josef-Neuberger-Medaille 2009 für seine „Stolpersteine“ aus. Mit seinem Projekt erinnere Demnig auf außergewöhnliche und sehr eindringliche Weise an die Opfer des NS-Regimes, begründete die jüdische Gemeinde ihre Entscheidung. Der Künstler gebe mit seinen „Stolpersteinen“ den Menschen ihren Namen wieder und damit ein Stück Würde und Individualität. Bislang wurden bundesweit rund 20 000 Stolpersteine an über 400 Orten verlegt. Die Auszeichnung soll am 23. September im Rahmen des Jahresempfangs der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf stattfinden.
Lesermeinungen
zum Thema "Stolpersteine" lesen Sie hier. [Zum Leser-Forum] (ief)
19.08.2009
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